Nocturnal awakenings due to aircraft noise. Do wake-up reactions begin at sound level 60 dB(A)?

Kernaussagen

  • Die in Deutschland oft zitierte Lärmschwelle von 60 dB(A), ab der Fluglärm schädlich wirken soll, ist falsch zu hoch. Sie beruht auf einem Rechenfehler aus dem Jahr 1976.
  • Auch die 1976 zu der Lärmschwelle angegebenen Schwankungsbreiten von +- 7 dB sind falsch.
  • Was stimmt: weniger als 48 dB(A) am Ohr gemessen (!) ist dagegen der richtige Grenzwert, und selbst der ist im Einzelfall noch zu hoch!

ACHTUNG: Alle Werte, die sich z.T. bis heute als akzeptable Grenzwerte (!) in der öffentlichen Diskussion befinden, sind Werte, die auf der falschen Grenze beruhen.

Wichtiges Zitat aus der Zusammenfassung der Studie von Maschke:

A comprehensive protection of individuals against nocturnal awakenings is, however, not even given at a limit value of a maximum level 48 dB(A), because individual sensitivities towards noise immissions vary considerably.

Noise Health 2004;6:21-33

Noise induced nocturnal cortisol secretion and tolerable overhead flights

Kernaussagen

  • Lärm verursacht Ausschüttungen des Streßhormons Kortison 
  • Kortison bleibt relativ lange im Blut, Kortison kann aber auch ausgesprochen gut in endokrine Zellen eindringen und dort Stoffwechselprozesse stören
  • Es gibt nachweisbare Beziehungen zwischen Lärmeinwirkung und Streßwirkungen, hervorgerufen durch Kortison - diese Reaktion sind abhängig von der Lautstärke, die einwirkt

Eckpunkte der Studie

Fluglärm verursacht direkte und indirekte körperlliche Reaktionen, auch im Streßhormon-Stoffwechsel. Es lassen sich Ausschüttungen von Cortison, einem Streßhormon, nachweisen, mit entsprechenden körperlicher Folge: Schlafstörungen und Blutdruckveränderungen. Die Studie nennt mögliche Grenzwerte,  die z.T. erheblich unter den geltenden gesetzlichen Werten liegen würden.

Noise Health 2004;6:35-47

Das "Amerikanische Ärzteblatt" JAMA, das Journal of the American Medical Association, berichtet in seiner Dezemberausgabe 2013 von einer Studie, die einen Zusammenhang von Schlafstörungen und Demenz beschreibt.
Die Autoren um Andrew Lim haben dazu in einer prospektiven Studie über 6 Jahre untersucht, ob die eingeschlossenen 700 Personen - in Abhängigkeit von der Qualität des Schlafes - eine Demenz entwickelt haben.

Die Autoren beschreiben einen Zusammenhang zwischen gestörtem Schlaf und der Entstehung von Demenz. Die Autoren empfehlen, bestimmte Genträger zu identifizieren, da diese von einer Konsolidierung des Schlafes profitieren könnten und so durch besseren Schlaf das Risiko der Entwicklung einer Demenz abnehmen kann.

Critical appraisal of methods for the assessment of noise effects on sleep

Basner, Brink und Elmenhorst geben in "Noise & Health" Hintergrundinformationen zum Thema Schlaf und die Effekte von Lärm auf den Schlaf, als auch einen Überblick über die Messverfahren und -methoden zur Untersuchung bzw. Bewertung von lärmbedingten Schlafstörungen.

Aus Sicht der Autoren kann anhand der vorliegenden Analyse versucht werden, einen Konsens über die Nutzung der Methoden herzustellen.

Auch dieser Artikel enthält eine Vielzahl an interessanten Quellenhinweisen, die in der Literaturliste des Artikels unter dem u.g. Link erreicht werden können.

Inhaltliche Eckpunkte der Analyse

  • Hintergrundinformationen zum Thema Schlaf und Schlafstörung allgemein
  • Betrachtung von Mess- und anderen Verfahren
    • Polysomnographie
    • Actigraphie
    • Elektrokardiographie
    • signalisiertes Aufwachen
    • Fragebögen

Noise Health 2012;14:321-9

Effects of environmental noise on sleep

Hume, Brink und Basner geben in "Noise & Health" einen Überblick über die Effekte von Umgebungslärm auf den Schlaf.

Die Autoren stellen fest, dass in den letzten 3 Jahren sowohl kurzfristige Effekte von Lärm auf den Schlaf als auch epidemiologische Studien zu Langzeitfolgen untersucht wurden. Obwohl aber viele Informationen zum Lärmwirkungen vorliegen, fehlen zu einzelnen Aspekten und Fragestellungen weiterhin Studien.

Auch dieser Artikel enthält eine Vielzahl an interessanten Quellenhinweisen, die in der Literaturliste des Artikels unter dem u.g. Link erreicht werden können.

Besonders interessant ist, dass die WHO als Grenzwertbereich, ab dem lärmexponierte Personen schädliche Gesundheitswirkungen auftreten können, bereits den Bereich zwischen 40 und 55 dB definiert.

Noise Health 2012;14:297-302

Die Übersichtsarbeit von Clark und Sörqvist aus "Noise & Health" gibt einen aktuellen Überblick über die Studienlage der letzten 3 Jahre zum Thema Lärm & Lernstörungen und Verhalten bei Kindern.

Die Autoren stellen fest, dass die in den letzten Jahren durchgeführten Studien die Effekte von Lärm auf das Lernen mit stärkerer Evidenz beschreiben, vor allem durch größerer Studienpopulationen und bessere Lärm(mess-)definitionen.

The effects of chronic aircraft noise exposure on children's cognition and health: 3 field studies

Das Review wertet drei Lärmstudien, die sogenannte "Los Angeles Airport Study (1980/1981)", die "Munich Airport Study (1995/1998/2002)" und die "West London Schools Study (2001)" aus.*

Neben Fragen in Bezug auf das Gestörtsein und körperliche Effekte werden auch Lernstörungen ausgewertet. Obwohl die Quell-Studien zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Ländern und damit auch in unterschiedlichen sozialen Settings durchgeführt wurden, zeigen sich konsistente Effekte.

* Die Jahreszahlen beziehen sich auf die Publikationen der jeweils zitierten Studien.

Kernaussagen

  • Es gibt bekannte Lärmwirkungen, die das Lernen und die Gesundheit von Kindern negativ beeinflussen.
  • Es gibt starke Evidenz, dass Fluglärm die Motivation der Kinder beeinträchtigt und sich die betroffenen Kinder hilflos fühlen.
  • Es gibt ferner starke Evidenz dafür, dass die Lesefähigkeit und die Aufmerksamkeit der Kinder negativ beeinflusst werden.
  • Es gibt nur wenig Erkenntnisse über Langzeiteffekte, d.h. man weiß nicht, was immer mehr Lärm mit den Kindern und den dann irgendwann erwachsen gewordenen macht.
  • Die Autoren dieser Studie weisen auf wichtige weitere Erkenntnisse einer anderen Studie, der RANCH-Studie, hin, die zum Zeitpunkt der Publikation dieser Studie angelaufen war.

Noise Health 2003;5:31-40

Nach oben