Das "Amerikanische Ärzteblatt" JAMA, das Journal of the American Medical Association, berichtet in seiner Dezemberausgabe 2013 von einer Studie, die einen Zusammenhang von Schlafstörungen und Demenz beschreibt.
Die Autoren um Andrew Lim haben dazu in einer prospektiven Studie über 6 Jahre untersucht, ob die eingeschlossenen 700 Personen - in Abhängigkeit von der Qualität des Schlafes - eine Demenz entwickelt haben.

Die Autoren beschreiben einen Zusammenhang zwischen gestörtem Schlaf und der Entstehung von Demenz. Die Autoren empfehlen, bestimmte Genträger zu identifizieren, da diese von einer Konsolidierung des Schlafes profitieren könnten und so durch besseren Schlaf das Risiko der Entwicklung einer Demenz abnehmen kann.

Modification of the Relationship of the Apolipoprotein E ε4 Allele to the Risk of Alzheimer Disease and Neurofibrillary Tangle Density by Sleep

Die Autoren haben fast 700 Menschen untersucht, die zu Beginn der Studie alle noch keine Demenz hatten. Genanalysen hatten ergeben, dass rund 150 der Studienteilnehmer eine Variante des APOE trugen, das Allel Epsilon 4, das als Risikofaktor für die Entstehung von Alzheimer beschrieben wird.

100 der 700 Probanden entwickelten eine Demenz, davon 31 mit der APOE-Genvariante. Das auffälligste aber war, das viele der späteren Alzheimerpatienten zuvor über schlechten Schlaf geklagt hatten - besonders die Studienteilnehmer mit der APOE-Variante.

Einfach gesagt: Je häufiger Studienteilnehmer aus dem Schlaf aufwachten, desto höher war ihr Risiko für die Entwicklung einer Demenz.

Die Studie versuchte, die Untersuchungsergebnisse auch autoptisch zu sichern. Somit konnte einwandfrei ein organisch-morphologisches Korrelat aus der Autopsie der verstorbenen Alzheimerpatienten gesichert werden. Bei 200 Verstorbenen konnten die Autoren so zeigen, dass schlechter Schlaf mit einer vermehrten Ablagerung von Amyloid-Beta und weiteren, an der Entstehung der Alzheimerkrankheit beteiligten Proteinen im Gehirn, korreliert.

Die "Research Highlights" des Fachmagazins "Nature Reviews Neurology" von Dezember 2013 weisen auf weitere Risikofaktoren hin. Neben der Studie von Lim wird in der Zusammenfassung berichtet, dass zwei weitere Studien in dieselbe Richtung zeigen. So hat eine Studie von Adam Spira nachgewiesen, dass eine mangelnde Schlafqualität bei älteren Menschen mit der vermehrten Ablagerung von Amyloid beta einhergeht - Amyloid beta ist ein bekannter Marker für die Alzheimer Erkrankung.

Aus Tierversuchsstudien der Forschungsgruppe von Maiken Nedergaard, publiziert von Lulu Xie, ist bekannt, dass während des Schlafes das Amyloid beta aus der Hirnflüssigkeit, dem Liquor, "gecleart", also entfernt wird. Dies wäre die Beschreibung des Wirkprozesses, den man in Verbindung mit den Studienergebnissen von Lim und Spira bringen kann:

Wenn durch gestörten Schlaf der Körper das Amyloid beta nicht mehr aus dem Liquor entfernen kann, kommt es zu Ablagerungen dieser Substanz im Gehirn, die eine Alzheimer-Demenz auslösen können.

Das Risiko dafür ist bei bestimmten Risikopersonen, die Träger einer bestimmten Genvariante sind, nochmals - laut den Daten von Lim um das bis zu vierfache - erhöht.

Fazit: Es scheint einen Zusammenhang zwischen der Störung des Schlafes und der Entwicklung einer Demenz zu geben.

Auch Fluglärm hätte so ein weiteres Element in seinem Risikoprofil, dem man Rechnung tragen müsste. Die aus den zitierten Studien vorgelegten Erkenntnisse zeigen wieder einmal, dass es bei Fluglärm nicht nur um ein Gestörtsein geht, sondern um die Einwirkung einer Noxe auf den Menschen, die zu Gesundheitsstörungen und Krankheiten führt.

Weiterführende Informationen

JAMA Neurology: Studie von Andrew Lim, Dez. 2013

Nature Reviews Neurology: Artikel zu "Research Highlights" von Hemi Malkki, Dez. 2013

JAMA Neurology: Studie von Adam Spira, Dez. 2013

SCIENCE: Studie von Lulu Xie, Okt. 2013

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