Die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO hat am 17. Oktober 2013 eine 229 Seiten umfassende Publikation zu Luftschadstoffen in der Reihe ihrer Monographien (der "Enzyklopädie der Karzinogene") veröffentlicht. Die WHO erklärt auf der Basis ihrer Analysen der Fachliteratur und der Auswertung der dort beschriebenen Untersuchungen Luftverschmutzung zu einer führenden Ursache für Krebstodesfälle. Luftverschmutzung allgemein und Feinstaub werden von der WHO in die Gruppe 1 der für Menschen krebsauslösenden Stoffe aufgenommen.

Luftverschmutzung ist somit offiziell als "karzinogen für Menschen" eingestuft worden. Darüber hinaus stellt die WHO fest, dass es ausreichende Evidenz für die Feststellung gibt, dass Luftverschmutzung Lungenkrebs auslöst. Ferner wird eine positive Assoziation in Bezug auf ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs festgestellt.

IARC: Luftverschmutzung ist einer der führenden Umweltgründe für Krebstot

Die vom IARC der WHO durchgeführte Analyse führt zu einer Einschätzung und Festlegung, die wichtig ist für die Diskussion um den Schutz vor Flugzeugemissionen in Form von Lärm und Luftschadstoffen: Auch Flugzeugemissionen führen zu Krebs der Atemwege und der Harnblase.

Dies macht die Einstufung der WHO deutlich, die sowohl Luftschadstoffe allgemein als Gruppe und im besonderen den Feinstaub, der bei der Verbrennung u.a. der Treibstoffe entsteht, in die Gruppe 1 der für den Menschen karzinogenen Stoffe einreiht. In die Gruppe 1 werden die Stoffe aufgenommen, bei denen es eine gesicherte Wirkungsbeziehung in Form der sogenannten "sufficient evidence" gibt, die Einteilung ist also keine Vermutung, sondern gesicherte Erkenntnis.

Der Mensch hat keine Chance, sich den Luftschadstoffen zu entziehen, da diese überall in der Luft vorkommen, mit Schwerpunkten abhängig von lokalen Gegebenheiten wie z.B. dem Vorkommen von Flughäfen, wie das folgende Zitat deutlich macht:

People take thousands of breaths daily, leading to a total intake of about 10 000 litres of air per day. Consequently, the lung receives significant doses of many air contaminants, even those present at seemingly low and trivial concentrations. Around the world, people spend time in many different kinds of places, often referred to as microenvironments: their homes, workplaces, public places, other indoor environments, transportation, and outdoors. In all of these locations there are sources that emit airborne carcinogens that can be readily detected in indoor and outdoor air.
Jonathan M. Samet, IARC Scientific Publication No. 161: Air Pollution and Cancer

Neben der krebsauslösenden Problematik der Luftschadstoffe gibt es weitere Krankheitswirkungen unter anderem auf das Atemsystem und das Herz-Kreislaufsystem, die in etlichen Studien beschrieben wurden.

Als Beispiele seien nur Krankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder eine Vielzahl anderer wie Depression oder Brustkrebs genannt, ganz abgesehen von den Wirkungen auf Kinder, bei denen u.a. auch Lernstörungen verursacht werden.

Die Festlegung der WHO ist enorm wichtig für den Schutz der Bevölkerung, weil in der Analyse der WHO das vorhandene Wissen aus Studien, die sogenannte "Evidenz", in eine kausal verbundene Beziehung zwischen Luftverschmutzung als Ursache und Krebskrankheiten als Wirkung gesetzt wird. Der Flugbetrieb macht Menschen krank, es werden Krankheiten verursacht, die zum Tode führen, auch Krebs.

Der Direktor des IARC, Dr. Christopher Wild, bringt es auf einen sehr schlüssigen Punkt, wenn er sagt:

“Classifying outdoor air pollution as carcinogenic to humans is an important step,” stresses IARC Director Dr. Christopher Wild. “There are effective ways to reduce air pollution and, given the scale of the exposure affecting people worldwide, this report should send a strong signal to the international community to take action without further delay.”

Was heißt das für die Diskussion in Deutschland?

Die bislang falsch geführte Diskussion um die gesundheitsschädlichen Folgen des Flugverkehrs und anderer Emissionsquellen muss auf die richtigen Füße gestellt werden. Das Hochglanzimage des Flugverkehrs ist ein falsches Zerrbild, das systematisch die krankmachenden Folgen für die Menschen verschweigt, neben anderen Folgen wie der Entwertung von Eigentum durch falsche Flughafenplanungen und falsche Flugroutenplanungen.

Der Flugverkehr löst externe Kosten aus, da er auch Krankheiten verursacht, die aber nicht von der Flugwirtschaft, sondern "solidarisch" von den betroffene Kranken ertragen und den Krankenversicherten in Deutschland beglichen werden - ungefragt. Die Flughäfen und Airlines wirtschaften somit auf Kosten der Bevölkerung, die sie krank machen.

Der Schutz der Bevölkerung muss Vorrang bekommen vor den Interessen der Flugverkehrswirtschaft, wie auch vom Deutschen Ärztetag 2012 festgestellt wurde.

weitere Informationen

Publikation des IARC der WHO zu Luftschadstoffen (kostenloses eBook auf Englisch)

Information des Deutschen Ärzteblattes zur Studie des IARC

PM Nr. 221 des IARC der WHO

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